Klinischer Psychologe und Biofeedback-Therapeut
Wie Biofeedback-Therapie funktionert:
Das Ziel der Biofeedback-Therapie bei Angst und Panik ist es, daß die Betroffenen lernen, überhöhte Anspannung und Erregung im Körper gezielt reduzieren zu können. Biofeeback ist dabei wie ein Spiegel des Körperinneren, der es ermöglicht, nicht bewußte Körperfunktionen genau wahrzunehmen und willkürlich zu beeinflussen. Es werden dabei Herzfrequenz, Muskelspannung (der Stirn, Schultern, etc.), Atmung, Durchblutung und Schwitzen der Hände gemessen und über einen Bildschirm (etwa als Linie) oder Lautsprecher (als Ton) sichtbar bzw. hörbar gemacht. Der Patient erhält eine Rückmeldung (Feedback) über das Innere seines Körpers (Bio). Daher leitet sich der Name Bio-Feedback ab. Zusätzlich zur Entspannung kann mit Hilfe von Biofeedback rasch gelernt werden, die Körperwahrnehmung zu verbessern und damit bereits die Entstehung des Teufelskreises der Angst abfangen zu können. Abb. Biofeedback-Anordnung

Abb. körperliche Reaktionen bei Angstkonfrontation (Streßdiagnostik)

Das Gefühl, diesem Teufelskreis der Angst hilflos ausgeliefert zu sein, ist häufig. Mit Hilfe von Biofeedback - als Teil einer umfassenden Angsttherapie - lernen die Betroffenen, diesen Teufelskreis zu unterbrechen. Sie lernen, eine optimale Entspannung von Körper und Geist herzustellen und wissen, daß sie Strategien einsetzen können, um die Angst aktiv zu bewältigen. Dieses Wissen gibt Zuversicht und Optimismus, weshalb dadurch die Häufigkeit von Panikattacken sinkt und die Angst vor der Angst deutlich abnimmt. Die positiven Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Lebensfreude im Alltag stellen sich dann beinahe von selbst ein.

Die erste Kurve gibt das Schwitzen der Hände an (Hautleitwert), wodurch ein Rückschluß auf die Anspannung des vegetativen Nervensystems gezogen werden kann. Wenn die Kurve ansteigt, ist erhöhte Unruhe im Nervensystem vorhanden. Die zweite Kurve gibt die Handtemperatur an, wobei warme Hände auf Entspannung (Kurve steigt an), kalte Hände auf Anspannung hinweisen (Kurve fällt ab). Die dritte Kurve spiegelt die Atemfrequenz wieder (in Atemzügen pro Minute), und die vierte Kurve gibt die Muskelspannung des Nackens an. Bei der Patientin ist in Ruhe (Minute 0-4) eine Anspannung und Nervosität erkennbar. Der Hautleitwert ist erhöht, die Hände sind kalt (ca. 24°C), der Atem ist rasch (Atemfrequenz ca. 20) und die Muskelspannung des Nackens erhöht (ca. 6 µV). Die Pulsfrequenz ist unaffällig. Während Streß (Minute 4-7 und 10-11) kommt es zu einer deutlichen Anspannung des vegetativen Nervensystems (Hautleitwert steigt an), der Puls steigt an (von 70 bis über 100) und die Muskulatur verspannt sich. In den Erholungsphasen (Minute 7-10 und 11-15) kommt es zu einer mangelnden Erholung. Der Körper bleibt angespannt, wodurch die Gefahr einer weiteren Aufschaukelung bei neuen Streßsituationen gegeben ist. Besonders deutlich ist dies im Schwitzen der Hände erkennbar (oberste Kurve). Diese Körperreaktionen verlaufen während einer Panikattacke nach einem ähnlichen Muster, wenngleich davon auszugehen ist, daß die Reaktionen während einer Attacke noch wesentlich stärker sind. Dadurch wird der Teufelskreis der Angst aufgeschaukelt. Zur Entspannung wurde bei dieser Patientin zunächst an der Atmung angesetzt. Sie lernte mit Hilfe von Biofeedback (Rückmeldung der Atemkurve über Bildschirm) eine ruhige, gleichmäßige Bauchatmung. Weiters lernte sie auch eine Entspannung der Nackenmuskulatur durch Rückmeldung der Muskelspannung. Innerhalb von 8 Therapieeinheiten konnte die Patientin eine Entspannung des Körpers und der Psyche sehr gut herstellen und hatte damit eine Strategie gelernt, um Panikattacken abfangen zu können. Die Panikattacken nahmen in der Folge deutlich ab und die Patientin hatte das gute Gefühl, selbst etwas gegen die Panik tun zu können.