Biofeedback


Biofeedback-Therapie bei Angst und Panik
Mag. Norman Schmid
Klinischer Psychologe und Biofeedback-Therapeut Wie Biofeedback-Therapie funktionert:
Das Ziel der Biofeedback-Therapie bei Angst und Panik ist es, daß die Betroffenen lernen, überhöhte Anspannung und Erregung im Körper gezielt reduzieren zu können. Biofeeback ist dabei wie ein Spiegel des Körperinneren, der es ermöglicht, nicht bewußte Körperfunktionen genau wahrzunehmen und willkürlich zu beeinflussen. Es werden dabei Herzfrequenz, Muskelspannung (der Stirn, Schultern, etc.), Atmung, Durchblutung und Schwitzen der Hände gemessen und über einen Bildschirm (etwa als Linie) oder Lautsprecher (als Ton) sichtbar bzw. hörbar gemacht. Der Patient erhält eine Rückmeldung (Feedback) über das Innere seines Körpers (Bio). Daher leitet sich der Name Bio-Feedback ab. Zusätzlich zur Entspannung kann mit Hilfe von Biofeedback rasch gelernt werden, die Körperwahrnehmung zu verbessern und damit bereits die Entstehung des Teufelskreises der Angst abfangen zu können. Abb. Biofeedback-Anordnung
Biofeedback bei Panikattacken – den Teufelkreis der Angst durchbrechen:
Bei Panikattacken kommt es meist zu einer Aufschaukelung von körperlicher Anspannung und negativen Gedanken und Gefühlen (siehe Abb.). So kann es beispielsweise in einem Kaufhaus, in dem viele Menschen einkaufen und eine stickige Luft vorhanden ist, ganz spontan zu Herzklopfen kommen. Dieses Herzklopfen wird vom Betroffenen wahrgenommen und als Zeichen eines drohenden Herzinfarktes bewertet. Dieser Gedanke macht Angst, wodurch der Körper mit verstärkter Anspannung und Erregung reagiert. Das Herzklopfen wird intensiver, eventuell begleitet von einem Druckgefühl auf der Brust, rascher Atmung, Schwindel und schweißnassen Händen. Die Angst vor einem Herzinfarkt wird noch stärker und der Teufelskreis der Angst schaukelt sich auf. Der Betroffene ist in diesem Teufelskreis gefangen, der innerhalb weniger Minuten dazu führen kann, daß eine Panikattacke auftritt. Abb. Teufelskreis der Angst
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Abb. körperliche Reaktionen bei Angstkonfrontation (Streßdiagnostik)
Das Gefühl, diesem Teufelskreis der Angst hilflos ausgeliefert zu sein, ist häufig. Mit Hilfe von Biofeedback – als Teil einer umfassenden Angsttherapie – lernen die Betroffenen, diesen Teufelskreis zu unterbrechen. Sie lernen, eine optimale Entspannung von Körper und Geist herzustellen und wissen, daß sie Strategien einsetzen können, um die Angst aktiv zu bewältigen. Dieses Wissen gibt Zuversicht und Optimismus,

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weshalb dadurch die Häufigkeit von Panikattacken sinkt und die Angst vor der Angst deutlich abnimmt. Die positiven Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Lebensfreude im Alltag stellen sich dann beinahe von selbst ein.
Biofeedback bei Agoraphobie (Platzangst) und anderen Phobien:
Jede Angst ist von körperlicher Anspannung begleitet und insofern ein normaler Vorgang. Bei Ängsten, die das Leben beeinträchtigen, kommt es im Sinne des Teufelskreises der Angst zu einer extremen Aufschaukelung von psychischer Angst und körperlicher Anspannung/Erregung. Dies führt dazu, daß viele Betroffene jene Situationen meiden, bei denen sie befürchten, daß dort eine Panikattacke auftritt bzw. daß eine Flucht von diesen Situationen schwer möglich ist. Das können enge Räume, große Höhen, Menschenmengen, Vorträge vor einer Gruppe von Leuten, bestimmte Tiere, usw. sein. Dieses sogenannte Vermeidungsverhalten kann im Extremfall bis zum totalen sozialen Rückzug und zur Isolation/Vereinsamung führen. Das Ziele einer Angsttherapie ist in diesem Fall, die gemiedenen Situationen schrittweise wieder aufzusuchen. Dieses schrittweise Herangehen an angstauslösende Situationen wird „Systematische Desensibilisierung“ genannt. Die Betroffenen müssen wieder langsam lernen, daß die Situation selbst nicht gefährlich ist. Die Bewältigung der Angst wird durch die Biofeedback-unterstützte Entspannung wesentlich erleichtert. Entspannung und Angst sind miteinander nicht vereinbar. Wenn der Betroffene lernt, Entspannung herzustellen, sinkt die Angst automatisch ab. Dadurch wird es möglich, vorher ängstigende Situationen aufzusuchen. Dabei wird im allgemeinen die Erfahrung gemacht, daß die Angst vor der Situation übermäßig bzw. unbegründet war. In diesem Sinn kommt es zu einer Veränderung der Gedanken und Befürchtungen (vgl. kognitive Therapie der Angst). Fallbeispiel Verlauf der Biofeedback-Diagnostik bei einer Patientin mit Panikattacken
Die erste Kurve gibt das Schwitzen der Hände an (Hautleitwert), wodurch ein Rückschluß auf die Anspannung des vegetativen Nervensystems gezogen werden kann. Wenn die Kurve ansteigt, ist erhöhte Unruhe im Nervensystem vorhanden. Die zweite Kurve gibt die Handtemperatur an, wobei warme Hände auf Entspannung (Kurve steigt an), kalte Hände auf Anspannung hinweisen (Kurve fällt ab). Die dritte Kurve spiegelt die Atemfrequenz wieder (in Atemzügen pro Minute), und die vierte Kurve gibt die Muskelspannung des Nackens an. Bei der Patientin ist in Ruhe (Minute 0-4) eine Anspannung und Nervosität erkennbar. Der
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Hautleitwert ist erhöht, die Hände sind kalt (ca. 24°C), der Atem ist rasch (Atemfrequenz ca. 20) und die Muskelspannung des Nackens erhöht (ca. 6 μV). Die Pulsfrequenz ist unaffällig. Während Streß (Minute 4-7 und 10-11) kommt es zu einer deutlichen Anspannung des vegetativen Nervensystems (Hautleitwert steigt an), der Puls steigt an (von 70 bis über 100) und die Muskulatur verspannt sich. In den Erholungsphasen (Minute 7-10 und 11-15) kommt es zu einer mangelnden Erholung. Der Körper bleibt angespannt, wodurch die Gefahr einer weiteren Aufschaukelung bei neuen Streßsituationen gegeben ist. Besonders deutlich ist dies im Schwitzen der Hände erkennbar (oberste Kurve). Diese Körperreaktionen verlaufen während einer Panikattacke nach einem ähnlichen Muster, wenngleich davon auszugehen ist, daß die Reaktionen während einer Attacke noch wesentlich stärker sind. Dadurch wird der Teufelskreis der Angst aufgeschaukelt. Zur Entspannung wurde bei dieser Patientin zunächst an der Atmung angesetzt. Sie lernte mit Hilfe von Biofeedback (Rückmeldung der Atemkurve über Bildschirm) eine ruhige, gleichmäßige Bauchatmung. Weiters lernte sie auch eine Entspannung der Nackenmuskulatur durch Rückmeldung der Muskelspannung. Innerhalb von 8 Therapieeinheiten konnte die Patientin eine Entspannung des Körpers und der Psyche sehr gut herstellen und hatte damit eine Strategie gelernt, um Panikattacken abfangen zu können. Die Panikattacken nahmen in der Folge deutlich ab und die Patientin hatte das gute Gefühl, selbst etwas gegen die Panik tun zu können.