Entspannungstechniken


Dr. Norman Schmid
Klinischer Psychologe und Biofeedback-Therapeut
Bei der Therapie von Ängsten und Phobien nehmen Entspannungsverfahren eine wichtige Rolle ein. Die bekanntesten sind Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Atementspannung, Meditation, Imagination (Gedankenreisen) und Yoga. Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe anderer Verfahren, die eine gute Wirkung zeigen.
Den Entspannungstrainings ist gemeinsam, daß sie auf eine Reduktion der körperlich-geistigen Spannung abzielen und zu gesteigertem Wohlbefinden führen. Da die verschiedenen Trainings unterschiedliche Ansatzpunkte haben, ist auch die Wirkung unterschiedlich. Das Autogene Training setzt vor allem am vegetativen Nervensystem (Durchblutung, Herzfrequenz, etc.) an, die Progressive Muskelentspannung – wie der Name sagt – vor allem an der Muskulatur an. Bei der Meditation und Imagination ist primär eine geistig-
mentale Entspannung vorhanden. Alle Entspannungsverfahren weisen jedoch ein bestimmtes Ausmaß an allgemeiner Entspannung auf. Bei der Therapie von Ängsten und Phobien ist es wichtig, festzustellen in welchen Körperbereichen die Angst am stärksten ausgeprägt ist. In einer Biofeedback-Diagnostik kann festgestellt werden, ob bei einem Patienten vor allem das Vegetative Nervensystem (Herzklopfen, Schwitzen, etc.), die Muskelspannung oder die Atmung betroffen ist (siehe dort). Danach entscheidet sich die Art des Entspannungstrainings und es kann dann bei regelmäßigem Training mit einer bestmöglichen Wirkung gerechnet werden. Ist bei Angstzuständen vor allem die Muskulatur betroffen (Verspannungen, Kopfschmerzen, Zähneknirschen, etc.), so ist die Progressive Muskelentspannung bzw. ein Muskelspannungs-Biofeedback am besten geeignet. Ist vor allem die Atmung ungünstig, so sind Atemverfahren gut geeignet, und bei starkem Schwitzen und Herzklopfen kann das Autogene Training oder das Pulsfrequenz-Biofeedback die beste Wirkung hervorrufen. Bei allen Entspannungsverfahren ist es wichtig, daß regelmäßig (am besten täglich) geübt wird. Nur dadurch wird gewährleistet, daß die Entspannung auch in Angstsituationen gut eingesetzt werden kann. Es ist sehr empfehlenswert, einen Kurs zu einem bestimmten Entspannungstraining zu besuchen, der von einem (einer) erfahrenen Entspannungsexperten (Expertin) durchgeführt wird. Man lernt die Entspannung dadurch korrekt, erzielt meist früher Erfolge und profitiert von den Erfahrungen der anderen Kursteilnehmer. Über Bücher und geführt Entspannungs-CDs kann man zu Hause sehr gut weiterüben. Die verschiedenen Entspannungstrainings schließen sich nicht aus, sondern können sehr gut kombiniert werden. So kann sich jeder ein individuell-optimales Entspannungsprogramm zurechtschneidern. An dieser Stelle sei jedoch darauf hingewiesen, daß es besser ist, ein oder zwei Verfahren gut zu beherrschen als in mehrere Verfahren „hineinzuschnuppern“.