Psychologische Therapie


Psychologische Therapie bei Angst und Panik
Dr. Norman Schmid
Klinischer Psychologe und Biofeedback-Therapeut
Auf die Therapie von Ängsten und anderen psychischen Problemen haben sich verschiedene Berufsgruppen spezialisiert. Es sind dies klinische Psychologen, Psychotherapeuten und Fachärzte für Psychiatrie und/oder Neurologie. Während Ärzte im allgemeinen angstlösende Medikamente verschreiben, geht es klinischen Psychologen und Psychotherapeuten um die Angstbewältigung ohne Medikamente. Dabei können Medikamente und psychologische Therapie selbstverständlich kombiniert werden. In der Psychotherapie gibt es verschiedene Therapieschulen, wie Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, Gesprächstherapie, etc., die unterschiedliche Therapieansätze bei Ängsten haben. Die klinischen Psychologen setzen übergreifend verschiedene Therapie-Methoden ein, wobei die Vorgehensweise am ehesten der Verhaltenstherapie vergleichbar ist.
Ausbildung zum klinischen Psychologen:
Die psychologische Therapie wird von einem klinischen Psychologen durchgeführt. Die Bezeichnung „klinischer“ weist darauf hin, daß eine Spezialisierung auf die Diagnostik und Therapie psychischer Störungen vorhanden ist. Um klinischer Psychologe zu werden, muß zunächst das Universitätsstudium Psychologie mit einer Mindestdauer von 5 Jahren absolviert werden. Das Studium wird mit dem akademischen Titel Magister (Mag.) abgeschlossen. Danach ist eine Zusatzausbildung in klinischer Psychologie mit umfangreichen theoretischen und praktischen Kenntnissen sowie Supervision bei einem erfahrenen klinischen Psychologen erforderlich.
Psychologische Therapie – Überblick:
Da das Universitätsstudium wissenschaftlich orientiert ist, verfügen die klinischen Psychologen über ein grundlegendes Wissen zur Diagnostik und Therapie psychischer Störungen. Bei der Zusatzausbildung zum klinischen Psychologen wird ein breites Spektrum an Therapiestrategien erlernt, wodurch im individuellen Fall jene Vorgehensweise gewählt werden kann, die den bestmöglichen Erfolg verspricht.
Die Dauer hängt von den jeweiligen Beschwerden ab. Im allgemeinen ist von 12 – 20 Sitzungen zu jeweils 50 Minuten auszugehen. Da die Patienten lernen, selbst etwas gegen die Angst zu tun, ist der Erfolg langandauernd.
Psychologische Diagnostik:
Bevor mit der Therapie begonnen wird, ist eine umfangreiche psychologische Diagnostik notwendig. Diese gewährleistet, daß die Ängste (bzw. andere Beschwerden) korrekt erkannt werden und ein optimales Therapiekonzept erstellt werden kann. Wie bereits vorher dargestellt, verfügen klinische Psychologen über ein breites Know-how an therapeutischen Strategien, wobei die wichtigsten im folgenden kurz dargestellt werden.
Ursachen feststellen und Erklärung der Angst:
Für viele Patienten ist es wichtig, festzustellen woher ihre Ängste kommen. Wenngleich es nicht immer einfach bzw. manchmal nicht möglich ist, genau zu ergründen weshalb ein Patient bestimmte Ängste entwickelt, so können doch häufig bestimmte Ursachen und Auslöser festgestellt werden. Dafür sind einerseits eine ausführliche Diagnostik und mitunter tiefgehende Gespräche notwendig. Es ist jedoch wichtig festzuhalten, daß auch jene Ängste, deren Ursprung nicht identifiziert werden kann, im allgemeinen gut therapierbar sind.
Bei der Therapie ist es wichtig, dem Patienten eine Erklärung für die Ängste zu geben. Bei den meisten Ängsten kommt es im Sinne eines Teufelskreises zur Aufschaukelung von Angstgefühlen, negativen Gedanken und körperlicher Anspannung (Herzklopfen, Schwitzen, Schwindel, etc.). In dem Beitrag zur Biofeedback-Therapie wird dieser Teufelskreis ausführlich dargestellt. Das gemeinsame Erarbeiten des individuellen Teufelskreises des Patienten mit dem klinischem Psychologen ermöglicht eine Einsicht in die eigene Angst und eröffnet damit Wege zur Angstbewältigung.
Kognitive Therapie, Konfrontation und Entspannung:
Im nächsten Schritt werden konkrete Strategien erlernt, die der Patient selbst einsetzen kann, um die Angst und Panik zu bewältigen. Einen wichtigen Stellenwert nimmt die sogenannte „Kognitive Therapie“ ein (Kognitionen = Gedanken, innere Selbstgespräche, Erwartungen, etc.). Hierbei geht es darum, bestimmte negative Gedanken, die bei Angstpatienten häufig sind, festzustellen und auf ihre Angemessenheit hin zu überprüfen. Es ist wichtig, daß der Patient lernt, selbst aus der Angst herauszufinden (mit Unterstützung des Psychologen), damit ein langfristiger Erfolg gewährleistet ist.
Einige häufige negative Gedanken sind:
„Wenn ich in den Supermarkt gehe, bekomme ich eine Panikattacke.“ „Wenn ich umfalle, kann mir niemand helfen.“ „In der U-Bahn werde ich keine Luft bekommen; mir wird schwindelig werden.“ „Das Herzklopfen ist das Zeichen eines nahenden Herzinfarktes.“ Diese Gedanken sind meist sehr negativ gefärbt. Es wird das Schlimmste erwartet. In der Therapie werden Möglichkeiten erarbeitete, aus diesen negativen Gedanken herauszukommen. So könnte sich ein Patient z.B. sagen: „Ich habe gelernt, mich zu entspannen und kann die Angst abbauen.“ Diese anderen „Selbstgespräche“ haben einen unmittelbaren Einfluß auf das Wohlbefinden, wodurch der Teufelkreis der Angst durchbrochen wird.
Die Entspannung ist eine weitere wichtige Strategie bei der Bewältigung der Angst. Angst und Entspannung sind einander entgegengesetzt. Wenn man sich entspannt, nimmt die Angst ab. Es können verschiedene Entspannungsverfahren eingesetzt werden, wie Progressive Muskelentspannung, Biofeedback, Autogenen Training, Meditation, etc. (siehe Beitrag Entspannungsverfahren). Wichtig hierbei ist das Erlernen der Entspannung von einem klinischen Psychologen, Psychotherapeuten oder Facharzt, der mit der Therapie von Ängsten vertraut ist. Ansonsten könnte der Einsatz der Entspannung kurzfristig zu einem Angstanstieg führen.
Die vorher genannte Strategien dienen dazu, Panikattacken abfangen zu können bzw. angstauslösende Situationen aufsuchen zu können. Das „sich der Angst stellen“ wird Konfrontation genannt. Das Vermeidungsverhalten, wenn Supermärkte, U-Bahnen, etc. nicht aufgesucht werden, wird dadurch abgebaut. Die persönliche Freiheit wird vergrößert und das Wissen, selbst die Angst überwunden zu haben, stärkt das Selbstvertrauen und motiviert für neue Ziele.